Während man in den schottischen Lowlands eher dem englischen Kleidungsstil angepasst war, ist der Kleidungsstil der keltischen Highlander (Scoten) zurückzuführen auf deren irische Herkunft. Diese brachten das Leine Croich sowie den irischen Brat mit nach Schottland. Das Leine ist ein über knielanges Hemd oder Tunika, der Brat ist ein Tartan Umhang, der an der Schulter geschlossen wird. Dieser Umhang war aber zu klein um den Belted Plaid zu bilden. Dazu trug man durchaus auch Hosen, benannt als Truis oder Trews. Es ist anzunehmen das durch den Faltenwurf der Tunika und den Umhang später auf Abbildungen der Eindruck entstand das es sich um ein Kleidungsstück handelte. Bei meinen Wühlereien bin ich darauf gestoßen das besagter Umhang sich vom skandinavischen Kilte oder auch Kjalta, Kjalt-a ableitet und durch Wikinger in die Kultur der Scoten kam. Es heisst das Kjalta soviel bedeutet wie „gefaltete, gewickelte Decke“ und von den Wikingern als Mantel mitgeführt wurde. Dies dann anscheinend gefaltet über die Schulter geworfen wenn es warm genug war. Vielleicht können die hier anwesenden Wikinger hier ja etwas zu sagen? Meine Bitte wäre dann aber das ihr nichts findet denn nichts ist schlimmer als Vikings aufgetragenen Klamotten tragen zu müssen
Nun ist ganz lange Ruhe bis ins 16. Jhr. Denn dort tritt dann der Belted Plaid oder Great Kilt erstmalig in Erscheinung. Die Decke wurde bis dahin immer größer und hatte im gälischen noch verschiedene andere Bezeichnungen wie Breacan Fheile, Fheilead Mhore, Feilead Mhore. All diese Bezeichnungen haben aber immer noch dieselbe Bedeutung wie das Kjalta, nämlich „gefaltete, gewickelte und gegürtete Decke“. Übrigens ist auch heute noch in unserem Sprachgebrauch Plaid als Bezeichnung für eine Decke gängig. Wir reden also immer von etwas das Decke, Mantel, Umhang ist aber zu keiner Zeit ein Rock ein Rock war Wenn es warm war brauchte man kein Beinkleid, ansonsten trug man auch zum großen Kilt durchaus Trews. Ganz besonders trug man diese auch zum reiten, nicht wie ein Mr. Gibson im Film, von dem ich nicht wissen möchte wo er sich durch den Sattel bei den Reitszenen Brandblasen geholt hat
Im Kampf wurde dieser Mantel übrigens oft abgelegt weil er schlicht und ergreifend störend war. Hier darf man dann aber keine nackten Wilden vorstellen sondern Männer in ihren „Leines“, den langen Hemden bzw. Tunikas und gegebenenfalls auch Hosen. Kleine Erklärung am Rande: In der Elisabethanischen Zeit entwickelte sich die Bezeichnung Shirt zum Wort für das Hemd als Unterwäsche und Tunic wurde die Bezeichnung für das Obergewand. Dies ist auch bis heute noch so gebräuchlich.
Der sog. kleine Kilt wie wir ihn heute kennen entstand zum Ende des 18. Jhr. Der britische Historiker Hugh Trevor-Roper benennt in diesem Zusammenhang einen Industriellen namens Thomas Rawlinson. Besagter Mr. Rawlinson besaß ein Stahlwerk und soll für seine schottischen Arbeiter diese Kiltvariante als Arbeitskleidung statt des Great Kilts/Belted Plaids entwickelt haben. Dieser muss zu dem Zeitpunkt grade wieder zugelassen worden sein denn zwischen 1746 und 1782 wurde das Tragen des Kilts durch den Act of Proscription untersagt. Verboten wurde das Tragen von Plaid, Kilt und Trews sowie die Verwendung von Tartans für Umhänge oder Jacken. Als Strafe drohte Haft bis zu sechs Monaten und im Wiederholungsfall Deportation. Ausnahmen gab es dazu aber in geringem Maße schon, so wurden die Offiziere und Soldaten in englischem Dienst davon ausgenommen, hier z.b. das 42nd Regiment (Black Watch) welches 1739 aufgestellt wurde. Weitere Ausnahmen machte man auch bei den sog. Landed men, also Grundbesitzern die zur Oberschicht gehörten, denen man das Tragen von Highlandkleidung und Waffenbesitz in geringem Umfang gewährte. Der sog. Dress Act wurde dann im Jahre 1782 aufgehoben weil man zum einen Aufstände befürchtete und zum anderen Zugeständnisse machen musste um weitere schottische Regimenter aufstellen zu können.
So richtig Hoffähig wurde der Kilt aber erst wieder im 19. Jhr. Als die Romane des Sir Walter Scott zu einem wahren Scotland Hype führten. 1822 als King George IV. Sich bei einem Schottlandbesuch in der Landestracht präsentierte wurde er dann in gewisser Weise geadelt wenn man das so sagen möchte. Ungefähr hier beginnt auch der Mythos des Clan Tartans, zu dem ich aber noch komme.
Der Highlandsoldat wie man ihn heute von Military Tattoos und Militärparaden kennt ist aber tatsächlich erst in der Viktorianischen Zeit zu finden. In dieser Zeit werden z.b. die Uniformen prunkvoller und das Featherbonnet, die Mütze mit Straußenfeder wächst zu einer Kopfbedeckung, die gern mit den Bärenfellmützen anderer Regimenter verwechselt wird. Die Geschichte des Kilt als Teil der Uniform im Kampf endet in den Schützengräben des WK I. Hier wurde klar das diese Kleidung den Erfordernissen der modernen Kriegführung nicht mehr gerecht werden konnte. Hier erhielten die Highlander aber von deutschen Soldaten den Beinamen „Die Damen aus der Hölle“ welchen sie als The Ladies from Hell“ auch heute noch, nicht ohne Stolz tragen.
Der älteste Fund eines Stoffes im Karomuster ist als Falkirk Sett bekannt und stammen aus dem 3. Jhr. Vor Christus. Hierbei meine ich auf die Region bezogen der älteste. Es gibt auch Funde solcher Stoffe, die auf das Jahr 1500 v. Chr. Zurückgehen, diese machte man allerdings in China. Bekannt sind diese Funde als die Ürümchi Mumien in der Provinz Xingjang. All diese Stoffe entstanden aber einfach weil man die Wolle unterschiedlich farbiger Schafe verwendete, also einfach Karostoffe in verschiedenen Hell-dunkel Kontrasten webte. Für die Bezeichnung „Tartan“ liegen unterschiedliche Erklärungen vor, eine davon soll sich aus dem franz. „Tartaine“ ableiten bzw. seinem mittelalterlichen Ursprung „Tiretain“ was ein Kleidungsstück umschreibt das aus Wolle und Leinen hergestellt wurde. Andere glauben das der Ursprung im gälischen „Tuar“ and „Tan“ liegen soll, was soviel heisst wie „Colour and Country“ oder eben „Farbe und Land“ Als sich 1746 aufständische Schotten und englische Truppen mit ihren Verbündeten Schotten gegenüberstanden konnte man diese nur an den unterschiedlich gefärbten Kokarden ihrer Bonnets unterscheiden. Davon abgesehen wäre es auch sinnlos gewesen nach Clan Tartans zu schauen denn Angehörige der einzelnen Clans kämpften auf beiden Seiten. Man vergisst doch ab und zu ganz gern das diese Aufstände nicht einfach nur ein Kampf gegen England waren sondern immer auch ein Bürger- und Bruderkrieg. So wird z.b. das Massaker von Glencoe im Jahre 1692 heute noch im nationalen Bewußtsein der Schotten als eine Fehde der Clans McDonald und Campbell angesehen. Das diese Aktion auf Befehl der englischen Krone geschah, den das Earl of Argyll’s Regiments unter dem Kommando eines Robert Campbell auszuführen hatte, ist vollkommen zur Nebensache geworden. Viel mehr schockierte das Massaker durch den eklatanten Missbrauch des Gastrechts durch die Campbells als durch die Morde an sich. Noch heute wird die Tat als Schandfleck in der schottischen Clan Geschichte gesehen. So habe ich aber jetzt gleich ganz nebenbei das Bild vom heroischen Freiheitskampf der Schotten gegen die Engländer etwas ins Wanken gebracht aber das ist durchaus mal nötig wenn man sieht wie manche Darsteller schottische Geschichte an den Mann bringen
Aber zurück zu den Clan Tartans. Wie ich bereits schrieb kamen diese überhaupt erst um 1815 ins Gespräch als die Highland Society of London alle Clans aufforderte der Gesellschaft Stücke ihrer Tartans zur Archivierung zuzusenden. Diese Society ist übrigens heute noch aktiv, man kann sie sich vorstellen als Gesellschaft zur Erhaltung schottischer Kultur. Die ersten Tartans, die man davor wirklich zuordnen konnte sind dann allerdings die sog. „District Tartans“ also nach einer Region unterschiedlich in der Farbgebung. Hier tragen also nicht einzelne Clans einen bestimmten Tartan sondern die Bewohner eines Bezirks oder beispielsweise einer Insel. Im Jahre 1842 erschien das „Vestiarium Scoticum“ eine Sammlung von über 70 tartans, die es angeblich bereits 300 Jahre zuvor gegeben haben sollte. Autoren waren die Brüder Sobieskie Wolfrit Stuart, welche bereits 1819 allgemein als tartan- Experten galten. Die Darlegungen des „Vestiarium Scoticum“ konnten nie bewiesen werden, wurden aber gleichwohl allgemein anerkannt. Die ausufernde Schottlandbegeisterung unter Königin Victoria ließ kritische Stimmen hierzu erst gar nicht aufkommen und die Clan tartans entwickelten sich zum Selbstläufer mit eigenen Mythen. In dem Link zu House of Tartans werden entsprechende Tartans auch mit Hinweis auf dieses Buch gekennzeichnet. Ruft einfach dort mal den Tartanfinder auf und gebt die Nr. 841 ein für Robertson. In der Erklärung wird auf das Werk verwiesen aber auch angegeben das diese Quelle wohl als nicht wirklich vertrauenswürdig eingestuft ist Der erste wirklich eingetragene und mit Namen benannte Tartan ist übrigens kein Clan- sondern ein Regimental Tartan, in diesem Fall der „Black Watch“ Tartan. Davon aber ganz abgesehen gibt es heute nicht „den“ einen Clan Tartan sondern verschiedene für unterschiedliche Anlässe oder Tätigkeiten. So findet man im Tartanfinder z.b. insgesamt 19 Tartans mit dem Namen Gordon.
Wer darf einen Clan Tartan tragen? Natürlich jeder Angehörige des Clans durch seine Familienzugehörigkeit, durch Adoption oder weil er einfach den Namen trägt. Es heisst das es in Schottland nicht gern gesehen ist wenn Fremde sich in Clan Farben kleiden, hier gehen die Meinungen aber auseinander wenn man bei Schotten rumfragt und variieren von „Ist vollkommen egal“ bis zu „Höchst unhöflich“ Ausgenommen davon sind District- sowie Regimental Tartans denn diese haben ja keine Clan Zugehörigkeit. Andersrum heisst es aber das alle im Handel erhältliche Tartanmuster auch frei zu erwerben und somit zu tragen sind. Auch das schottische Wappenrecht, vertreten duch den „Court of the Lord Lyon“ sieht das Tragen eines fremden Tartans nicht als Vergehen. Klingt verwirrend, ist es auch aber vielleicht gehört das zum ganzen mythischen von Kilt und Tartan einfach irgendwie mit dazu.
Noch ein kleiner Nachtrag zu den Regimental Tartans: Mittlerweile sind die traditionsreichen schottischen Regimenter nach einigen Militär Reformen zum „Royal Regiment of Scotland“ verschmolzen. Dadurch verschwinden nun auch die verschiedenen Regimental Tartans und weichen einem einzigen, der auch den Namen des Regiments trägt . Die Tradition der alten Regimenter wird in den einzelnen Bataillons aufrecht erhalten.
„Ich will ein Plaid, ich brauche Stoff!“
Damit fängt das Drama aber überhaupt erst an und viele tapfere Schottendarsteller sind in die 10m Falle getappt weil sie das kleingedruckte nicht gelesen haben Da strunzelt man also los, findet auch was halbwegs kariertes und sagt zum Verkäufer „10m, haben will“ Aber warum grinst der jetzt so? „Hat wohl noch nie nen Schotten gesehen“ denkt man sich und beharrt auf seiner Bestellung.
Warum hat der Verkäufer nun wohl gelacht? Na ganz einfach, er hat wieder einen Deppen erwischt der nicht bis zum Ende gelesen hat. Der von letzter Woche sah übrigens aus wie das Michelin Männchen in kariert aber das kann uns ja egal sein wenn wir nur gut verkaufen Am Ende reicht besagter Stoff wahrscheinlich fürs Plaid, neuen Sofabezug und ambientige Lampenschirme Und wo lag nun der Fehler? Die 10m Stoff sind an sich ja nicht verkehrt aber die Stoffbreite ist heut eine andere als bei den Bahnen für die Plaids und bedeutend schmaler. Dadurch war man gezwungen den Stoff bei einer Länge von 5m zu zerschneiden um ihn dann an den langen Bahnen zu vernähen. Dadurch erreicht man halt eine Decke bzw. ein Plaid Bei den Stoffbahnen moderner Webereien ist dieser Zwischenschritt nicht nötig und man kommt mit seinen 5-7m hin. Die hier angegebenen Zahlen sind übrigens Beispielwerte und können durchaus variieren je nach Bäuchlein